Was die Rentenlücke ist
Die Rentenlücke, auch Versorgungslücke genannt, ist die Differenz zwischen dem, was du im Ruhestand ausgibst, und dem, was netto hereinkommt:
Formel
Eine verbreitete Faustregel setzt den Bedarf mit rund 80 % des letzten Nettoeinkommens an. Genauer ist es, die eigenen Ausgaben zu schätzen; dazu unten mehr. Wichtig ist vor allem, alles in derselben Währung zu rechnen: in heutigen Euro.
Von der Brutto- zur Nettorente
Die Renteninformation nennt Bruttowerte. Davon gehen ab:
- Kranken- und Pflegeversicherung: Gesetzlich versicherte Rentner zahlen die Hälfte des allgemeinen Beitrags (7,3 %), die Hälfte des Zusatzbeitrags ihrer Kasse (2026 im Schnitt 2,9 %, also 1,45 %) und den vollen Pflegebeitrag von 3,6 %, kinderlos 4,2 %. Zusammen sind das rund 12,35 %. Privat Versicherte zahlen ihren Beitrag selbst und bekommen von der Rentenversicherung einen Zuschuss.
- Einkommensteuer: Für Neurentner 2026 sind 84 % der Rente steuerpflichtig; der Anteil steigt jedes Jahr um einen halben Prozentpunkt bis auf 100 % im Jahr 2058. Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt von weiteren Einkünften ab, etwa Mieten, Betriebsrente oder dem Einkommen des Partners.
Bei 2.000 € Bruttorente ohne weitere Einkünfte bleiben Alleinstehenden rund 1.680 € netto, also etwa 84 %. Mit weiteren Einkünften fällt die Steuer höher aus.
Was du im Ruhestand brauchst
- Was wegfällt: der Arbeitsweg, die Sparrate fürs Alter, oft ein abbezahlter Kredit.
- Was dazukommt oder steigt: Gesundheit, Reisen und Freizeit in den ersten Jahren, später unter Umständen Pflege; die Instandhaltung des Eigenheims, bei Mietern die weiterlaufende Miete.
Ein guter Startpunkt sind die tatsächlichen Ausgaben der letzten zwölf Monate, bereinigt um das, was im Ruhestand wegfällt oder dazukommt.
Ein Rechenbeispiel
Eine 40-Jährige erwartet laut Renteninformation 2.000 € Bruttorente ab 67 und plant mit 3.000 € Ausgaben im Monat, in heutigem Geld.
| Ausgaben im Ruhestand | 3.000 € |
| − Nettorente (2.000 € brutto − 16 %) | 1.680 € |
| − weitere Einkünfte | 0 € |
| = Rentenlücke | 1.320 € im Monat |
Rente und weitere Einkünfte decken 56 % der Ausgaben. Zum Vergleich: Die Standardrente nach 45 Jahren mit Durchschnittsverdienst beträgt seit Juli 2026 1.913,40 € brutto; die durchschnittlich gezahlte Altersrente lag Ende 2024 bei 1.154 € nach Kranken- und Pflegeversicherung.
Mit deinen Zahlen
Vorbelegt mit dem Beispiel. Die Bruttorente steht in deiner Renteninformation, die du jedes Jahr bekommst, sobald du 27 bist und fünf Jahre Beiträge gezahlt hast.
Rentenlücke
1.320 € im Monat
Rente und weitere Einkünfte decken 56 % deiner Ausgaben.
- Nettorente1.680 €
- Lücke1.320 €
Kapital, das sie schließt
453.000 €
bei 3,5 % Entnahmerate, in heutigen €
Nötige Sparrate pro Monat
536 €
über 27 Jahre; dein Erspartes wächst auf 144.000 €
Alles in heutigem Geld. Nettorente = brutto × (1 − Versicherung und Steuer). Kapital = Lücke × 12 ÷ Entnahmerate. Keine Prognose und keine Rentenberatung.
Wie viel Kapital die Lücke schließt
1.320 € im Monat sind 15.840 € im Jahr. Wie viel Kapital das trägt, hängt davon ab, wie viel du jedes Jahr entnehmen kannst, ohne dass das Geld zu früh ausgeht:
Formel
Bei 3,5 % sind das rund 453.000 €, bei 4 % 396.000 €, bei 3 % 528.000 €, jeweils in heutigen Euro. Welche Rate wie sicher ist, erklärt der Ratgeber 4-Prozent-Regel. Wer das Kapital bis zu einem bestimmten Alter aufbrauchen will, kommt mit weniger aus, trägt dafür aber das Risiko, länger zu leben als geplant.
Warum der Startzeitpunkt zählt
Mit 50.000 € Startvermögen und 4 % realer Rendite braucht die 40-Jährige bis 67 rund 536 € Sparrate im Monat, um 453.000 € zu erreichen. Ohne Startvermögen wären es 787 €. Mit denselben Annahmen je nach heutigem Alter:
| Alter heute | Sparrate pro Monat bis 67 |
|---|---|
| 30 | 240 € |
| 40 | 536 € |
| 50 | 1.227 € |
Zehn Jahre früher anzufangen, mehr als halbiert die nötige Sparrate; zehn Jahre später verdoppelt sie sich mehr als.
Heutige Euro und Inflation
Die Renteninformation rechnet mit dem heutigen Rentenwert, ohne künftige Rentenanpassungen. Steigen die Renten etwa wie die Preise, entspricht ihr Betrag ungefähr heutiger Kaufkraft. Rechnest du Ausgaben, Rente und Rendite einheitlich in heutigen Euro und mit realer Rendite, musst du die Inflation nicht zusätzlich einrechnen.
Zur Einordnung: Bei 2 % Inflation entsprechen 3.000 € heute in 27 Jahren rund 5.100 €. Das Rentenniveau ist seit 2026 bis zur Rentenanpassung 2031 gesetzlich bei mindestens 48 % festgeschrieben; was danach gilt, ist offen.
Wo du deine Zahlen findest
- Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung: jährlich, mit der voraussichtlichen Regelaltersrente.
- Digitale Rentenübersicht: bündelt Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge an einem Ort.
- Standmitteilungen von Betriebsrente, Riester- und Rürup-Verträgen und privaten Rentenversicherungen.
Was die Lücke füllen kann
- Betriebliche Altersvorsorge, oft mit Zuschuss des Arbeitgebers.
- Private Vorsorge, etwa ein ETF-Depot, Rürup- oder Riester-Verträge, ab 2027 auch das neue geförderte Altersvorsorgedepot.
- Mieteinnahmen, vor allem aus Immobilien, deren Kredit zum Rentenbeginn abbezahlt ist.
- Ein späterer Rentenbeginn oder Teilzeit in den ersten Jahren des Ruhestands.
Wie Depot, Mieten und Rente zusammen reichen, und mit welcher Wahrscheinlichkeit, rechnet Wann kann ich in Rente gehen? mit 2.000 Marktverläufen durch.
Quellen
- 01Deutsche Rentenversicherung: Rentenanpassung 2026
- 02Deutsche Rentenversicherung: Aktuelle Daten 2026
- 03§ 22 EStG: Besteuerungsanteil der Renten
- 04Digitale Rentenübersicht
Regeln und Zahlen mit Stand