Die Idee
Der größte Teil des Geldes liegt passiv, breit gestreut und günstig in einem Index, der Kern. Ein kleiner Teil darf abweichen: Das sind die Satelliten, mit denen du gezielt auf einzelne Märkte, Themen oder Unternehmen setzt.
Dahinter stehen zwei Beobachtungen. Erstens schlagen aktiv gemanagte Fonds ihren Vergleichsindex über lange Zeiträume mehrheitlich nicht, das zeigen die SPIVA-Auswertungen von S&P Dow Jones Indices seit Jahren. Ein breiter Index ist deshalb eine starke Grundlage. Zweitens wollen viele Anleger trotzdem eigene Ideen umsetzen. Die Strategie gibt diesem Wunsch einen begrenzten Raum, statt das ganze Depot davon abhängig zu machen.
Der Kern
Der Kern soll drei Dinge leisten:
- Breit streuen: viele Länder, Branchen und Unternehmen, damit kein einzelnes Ereignis das Depot bestimmt.
- Wenig kosten: Breite Index-ETFs haben oft laufende Kosten unter 0,3 % pro Jahr. Über Jahrzehnte macht jeder Zehntelprozentpunkt einen spürbaren Unterschied.
- Liegen bleiben: Der Kern wird nicht umgebaut, wenn Märkte schwanken. Er ist der Teil des Plans, an dem du nichts tun musst.
Typische Kerne sind ETFs auf den MSCI World (rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern) oder auf Indizes, die zusätzlich Schwellenländer enthalten, wie den MSCI ACWI oder den FTSE All-World mit mehreren Tausend Unternehmen. Im MSCI World liegt der US-Anteil bei rund 70 %; ausgleichen lässt sich das mit einem globaleren Kern oder gezielten Ergänzungen.
Die Satelliten
Satelliten sind alles, womit du bewusst vom breiten Markt abweichst. Typische Gruppen:
- Regionen und Marktsegmente: Schwellenländer, Europa, kleine Unternehmen (Small Caps), die im Kern unterrepräsentiert sind.
- Faktoren: ETFs, die gezielt günstige (Value), qualitativ starke (Quality) oder zuletzt starke (Momentum) Aktien auswählen.
- Themen: etwa Gesundheit, Robotik oder erneuerbare Energien. Oft teurer und schwankungsreicher als breite Indizes.
- Einzelaktien: die direkteste Form einer eigenen Meinung, mit dem höchsten Einzelrisiko.
- Stabilisierer: Satelliten müssen nicht riskanter sein. Anleihen oder Gold können das Depot ruhiger machen.
- Krypto: sehr hohe Schwankungen, meist nur als kleine Beimischung.
Wie man aufteilt
Verbreitet sind Aufteilungen von 70/30, 80/20 oder 90/10 zwischen Kern und Satelliten. Welche passt, hängt weniger von einer Formel ab als von drei Fragen: Wie viel Zeit willst du in Recherche stecken? Wie stark ist deine Überzeugung? Und wie viel Verlust könntest du in den Satelliten hinnehmen, ohne am Kern zu zweifeln?
Verbreitet sind zwei Faustregeln. Erstens bleibt jede Idee klein, zum Beispiel höchstens 5 % des Depots pro Satellit. Zweitens werden Überschneidungen geprüft: Wer einen World-ETF, einen Technologie-ETF und dazu Apple als Einzelaktie hält, setzt dreimal auf dasselbe Unternehmen.
Was ein Satellit bewirken kann
Wie stark das Ergebnis der Satelliten das ganze Depot bewegt, im Vergleich zu einem Depot nur aus dem Kern.
Depot nach 10 Jahren, Ergebnis der Satelliten über den ganzen Zeitraum
7,0 % p. a.
5,3 % p. a. · −29.507 € ggü. reinem Kern
5,7 % p. a. · −22.007 € ggü. reinem Kern
6,2 % p. a. · −14.507 € ggü. reinem Kern
7,0 % p. a. · +0 € ggü. reinem Kern
7,0 % p. a. · +493 € ggü. reinem Kern
9,2 % p. a. · +45.493 € ggü. reinem Kern
Ohne Rebalancing, Kosten und Steuern: Die Satelliten werden einmal gekauft und liegen gelassen, der Kern wächst jedes Jahr mit seiner Rendite.
Mit den Startwerten (100.000 € Depot, 15 % Satelliten, zehn Jahre und 7 % Rendite im Kern) wird das Muster deutlich:
Nach zehn Jahren
Satelliten verdoppelt: 197.208 €, nur 493 € mehr
Satelliten Totalverlust: 167.208 € (5,3 % pro Jahr)
Satelliten verfünffacht: 242.208 € (9,3 % pro Jahr)
Der Kern verdoppelt sich in zehn Jahren bei 7 % fast von selbst. Ein Satellit, der sich „nur“ verdoppelt, bringt deshalb kaum etwas; er muss den Kern deutlich schlagen, damit er sich lohnt. Gleichzeitig begrenzt der kleine Anteil den Schaden: Selbst ein Totalverlust lässt das Depot noch wachsen. Genau diese Asymmetrie ist der Sinn der Aufteilung.
Umschichten: Rebalancing
Mit der Zeit verschieben sich die Anteile: Gute Satelliten wachsen über ihr Ziel hinaus, schwache schrumpfen. Drei verbreitete Wege, gegenzusteuern:
- Nach Zeit: einmal im Jahr prüfen und zurück auf die Zielaufteilung.
- Nach Schwelle: erst handeln, wenn ein Anteil um mehr als zum Beispiel fünf Prozentpunkte abweicht.
- Über die Sparrate: neues Geld dorthin lenken, wo der Anteil unter dem Ziel liegt.
In Deutschland ist der dritte Weg meist der günstigste. Jeder Verkauf mit Gewinn löst Abgeltungsteuer aus, sobald der Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr (Paare 2.000 €) ausgeschöpft ist. Wer über die Sparrate lenkt, verschiebt die Anteile, ohne zu verkaufen.
Core-Satellite über das ganze Vermögen
Die Strategie wird meist für das Depot beschrieben. Wer aber auch eine Immobilie, eine Betriebsrente oder Gold besitzt, sollte die Frage größer stellen: Was ist der Kern meines gesamten Vermögens, und was sind die Satelliten?
Eine vermietete Wohnung ist zum Beispiel eine sehr große, sehr konzentrierte Position: ein Objekt, ein Ort, ein Mieter, dazu ein Kredit. Neben einem Depot von 150.000 € ist sie oft der größte Einzelwert. Das ist weder gut noch schlecht, verschiebt aber das Bild: Ein Depot, das für sich genommen sauber nach Kern und Satelliten aufgeteilt ist, kann Teil eines Vermögens sein, das insgesamt stark auf eine einzige Anlageklasse setzt. Mehr dazu im Ratgeber Welche Anlageklassen ab welchem Vermögen?
Typische Fehler
- Zu viele Satelliten. Zehn Ideen zu je 2 % machen aus dem Depot ein Sammelalbum, ohne dass eine davon etwas bewegt.
- Satelliten nach der Vergangenheit kaufen. Themen werden oft dann populär, wenn sie schon stark gestiegen sind.
- Kosten übersehen. Themen-ETFs kosten häufig ein Mehrfaches eines breiten Index-ETF.
- Den Kern antasten. Wer in schwachen Phasen den Kern umbaut, verliert genau das, was die Strategie ausmacht.