Welche Anlageklassen ab welchem Vermögen?

Cash, Anleihen, Aktien, Immobilien, Altersvorsorge, Gold, Krypto, private Märkte: Jede Anlageklasse kann etwas anderes gut, und jede hat ihren Preis. Ein Überblick mit Vor- und Nachteilen, typischen Einstiegen und einer verbreiteten Reihenfolge, in der Vermögen wächst.

Aktualisiert am · 12 Min. Lesezeit

Überblick

Anlageklassen unterscheiden sich vor allem in vier Eigenschaften: wie stark ihr Wert schwankt, wie schnell du an dein Geld kommst, ob sie laufend etwas abwerfen und wie viel Arbeit sie machen. Die Tabelle ist eine grobe Einordnung, kein Urteil.

AnlageklasseSchwankungVerfügbarLaufende ErträgeAufwand
Cash, Tagesgeldsehr geringtäglichZinsengering
Anleihengering bis mittelbörsentäglichZinsengering
Aktien, ETFshochbörsentäglichDividendengering bis hoch
Vermietete Immobilienmittel, mit HebelMonateMietehoch
Altersvorsorge-Verträgeje nach Vertragmeist ab Rentenbeginn–gering
Goldmittel bis hochbörsentäglichkeinegering
Kryptosehr hochjederzeitmeist keinemittel
Private Märktehoch, selten sichtbaroft jahrelang gebundenunregelmäßigmittel
Sachwerte (Uhren, Kunst)schwer messbarWochen bis Monatekeinehoch

Cash und Tagesgeld

Girokonto, Tagesgeld und Festgeld sind die Grundlage: jederzeit verfügbar oder mit festem Termin, ohne Kursschwankung. Einlagen sind in der EU bis 100.000 € pro Person und Bank gesetzlich abgesichert. Der Preis ist die Inflation: Liegen die Zinsen darunter, verliert Cash real an Wert.

Cash ist deshalb vor allem für den Notgroschen da, oft drei bis sechs Monatsausgaben, bei Selbstständigen mehr, und für Ausgaben, die in den nächsten Jahren anstehen.

Anleihen

Mit einer Anleihe leihst du einem Staat oder Unternehmen Geld gegen Zinsen. Anleihen schwanken meist weniger als Aktien und können ein Depot stabilisieren. Ihr Risiko liegt in den Zinsen selbst: Steigen sie, fallen die Kurse laufender Anleihen, wie 2022 deutlich zu sehen war. Dazu kommt bei Unternehmen das Ausfallrisiko. Für Privatanleger sind breite Anleihen-ETFs oder einzelne Bundeswertpapiere die gängigen Wege.

Aktien und ETFs

Aktien sind Anteile an Unternehmen. Über lange Zeiträume haben sie historisch die höchsten Renditen gebracht, dafür sind Einbrüche von 30 bis 50 % in einzelnen Krisen Teil des Weges. Breit gestreute ETFs verteilen das Risiko auf Hunderte oder Tausende Unternehmen und kosten wenig; Einzelaktien sind konzentrierter und machen mehr Arbeit.

Der Einstieg ist niedrig: Sparpläne gibt es oft ab wenigen Euro im Monat. Gewinne und Dividenden unterliegen der Abgeltungsteuer; bei Aktien-ETFs bleiben durch die Teilfreistellung 30 % der Erträge steuerfrei. Wie man einen breiten Kern mit eigenen Ideen kombiniert, zeigt der Ratgeber zur Core-Satellite-Strategie.

Immobilien

Bei Immobilien gibt es zwei sehr verschiedene Fälle. Das Eigenheim spart Miete und gibt Sicherheit, bringt aber kein Einkommen. Die vermietete Wohnung bringt Miete, ist meist mit einem Kredit finanziert und wirkt dadurch mit Hebel: Wertänderungen treffen das eingesetzte Eigenkapital vielfach. Steuerlich sind Zinsen, Kosten und Abschreibung absetzbar.

Der Preis: Immobilien sind schwer teilbar und brauchen Monate zum Verkauf, sie konzentrieren viel Geld an einem Ort, und sie machen Arbeit. Wer den Aufwand scheut, kann über offene Immobilienfonds oder börsennotierte Immobiliengesellschaften (REITs) investieren, mit eigenen Nachteilen: Bei offenen Fonds gelten für neue Anleger eine Mindesthaltedauer von 24 Monaten und eine Kündigungsfrist von 12 Monaten. Ob eine vermietete Wohnung sich trägt, zeigt der Cashflow nach Kapitaldienst.

Altersvorsorge-Verträge

Betriebsrente, Rürup- und Riester-Verträge sind gebundenes Vermögen: Es gehört dir, du kommst vor Rentenbeginn in der Regel aber nicht heran, und es wird meist als Rente ausgezahlt. Dafür gibt es Förderung: Steuervorteile bei Rürup und Entgeltumwandlung, Zulagen bei Riester, und bei der Entgeltumwandlung einen Zuschuss des Arbeitgebers von 15 %, wenn er Sozialabgaben spart. Mit der Reform der privaten Altersvorsorge kommt ab 2027 ein gefördertes Altersvorsorgedepot hinzu.

Im Nettovermögen zählt das Vertragsguthaben, getrennt vom liquiden Vermögen. Mehr dazu in den FAQ Zählen Rürup, bAV und Riester zum Vermögen?

Gold

Gold bringt keine Zinsen und keine Dividenden; sein Wert hängt allein davon ab, was andere dafür zahlen. Es gilt als Krisenwährung und hat sich in manchen Krisen gegenläufig zu Aktien entwickelt, in anderen nicht. Physisches Gold und Gold-Wertpapiere mit Lieferanspruch sind in Deutschland nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Bei Barren und Münzen kommen Aufschläge beim Kauf und Kosten für die sichere Aufbewahrung dazu.

Krypto

Kryptowährungen wie Bitcoin schwanken extrem; Rückgänge von mehr als 70 % hat es mehrfach gegeben. Ihr Wert beruht auf Angebot, Nachfrage und dem Vertrauen in das jeweilige Netzwerk. Gewinne aus privaten Verkäufen sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, innerhalb eines Jahres gilt eine Freigrenze von 1.000 € im Jahr. Eigene Aufgaben: sichere Verwahrung und die Auswahl seriöser Plattformen.

Private Märkte und Sachwerte

Private Märkte sind Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen (Private Equity), Kredite an solche Unternehmen (Private Debt) oder Infrastruktur. Über Fonds wie ELTIFs sind sie inzwischen auch Privatanlegern zugänglich. Sie binden Geld oft für viele Jahre, sind teurer als ETFs und werden selten bewertet, wodurch sie ruhiger wirken, als sie sind.

Sachwerte wie Uhren, Kunst oder Oldtimer machen Freude und können im Wert steigen. Ihr Wert ist schwer zu messen, der Verkauf dauert, und Versicherung und Pflege kosten Geld. Für ein ehrliches Nettovermögen werden sie vorsichtig bewertet.

Ab welchem Vermögen: eine verbreitete Reihenfolge

Eine feste Regel, ab welcher Summe welche Anlageklasse „dran“ ist, gibt es nicht. Verbreitet ist in der Finanzbildung aber eine Reihenfolge, die sich aus Zinsen, Risiko und Verfügbarkeit ergibt:

  1. Teure Schulden zuerst. Ein Dispo oder Konsumkredit kostet meist mehr Zinsen, als eine Anlage verlässlich bringt.
  2. Ein Notgroschen. Drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld, damit ein kaputtes Auto nicht zum Verkauf von Aktien zwingt.
  3. Breite Aktien-ETFs. Ab dem ersten Euro möglich; in dieser Reihenfolge der Kern des langfristigen Vermögensaufbaus.
  4. Förderungen. Etwa der Arbeitgeberzuschuss bei der Betriebsrente.
  5. Eine Immobilie. Wenn Eigenkapital, Einkommen und Lebensplanung es tragen: Eigenheim, Kapitalanlage oder beides. Welche Annahmen dabei entscheiden, zeigt Eigenheim, Kapitalanlage oder ETF?
  6. Beimischungen. Gold, Krypto oder private Märkte als kleine Anteile, wenn die Basis steht.

Wie hoch der Einstieg je Anlageklasse typischerweise liegt:

AnlageTypischer Einstieg
Tagesgeldab 1 €
ETF-Sparplan (Aktien, Anleihen)oft ab 1 bis 25 € im Monat
Goldab einem Gramm oder als börsengehandeltes Produkt
Kryptoab wenigen Euro
Offene Immobilienfonds, REITsab einem Anteil
Vermietete WohnungEigenkapital meist mindestens in Höhe der Kaufnebenkosten, also rund 10 % des Preises, plus Reserve
Private-Markets-Fonds (z. B. ELTIF)je nach Produkt, über manche Broker schon mit kleinen Beträgen

Das Ganze im Blick

Am Anfang ist die Frage, womit man anfängt. Mit wachsendem Vermögen verschiebt sie sich: Wichtiger als die Rendite einer einzelnen Klasse wird ihr Anteil am Ganzen. Wer eine vermietete Wohnung mit 150.000 € Eigenkapital und ein Depot von 100.000 € hat, besitzt zu rund 60 % Immobilien, in einer einzigen Stadt. Wer bald aufhören will zu arbeiten, braucht genug liquides Vermögen, um Entnahmen zu bestreiten, auch wenn auf dem Papier viel in Immobilien und Altersvorsorge steckt.

Wie sich das eigene Vermögen zusammensetzt, zeigt erst eine vollständige Rechnung: alle Anlageklassen, mit ihren Krediten. Schritt für Schritt geht das im Ratgeber Nettovermögen berechnen.

Quellen

  1. 01§ 8 EinSiG: Einlagensicherung bis 100.000 €
  2. 02§ 23 EStG: private Veräußerungsgeschäfte (Gold, Krypto)
  3. 03§ 1a BetrAVG: Arbeitgeberzuschuss bei Entgeltumwandlung
  4. 04§ 20 InvStG: Teilfreistellung

Regeln und Zahlen mit Stand

Häufige Fragen

Welche Anlageklasse bringt die höchste Rendite?

Über lange Zeiträume haben Aktien historisch die höchsten Renditen gebracht, mit den größten Schwankungen. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht, und über kürzere Zeiträume kann jede Anlageklasse vorn oder hinten liegen.

Ab wann lohnt sich eine Immobilie als Kapitalanlage?

Eine feste Summe gibt es nicht. Banken verlangen meist mindestens die Kaufnebenkosten als Eigenkapital, dazu kommt eine Reserve für Reparaturen und Leerstand. Entscheidend ist außerdem, ob der Cashflow nach Kapitaldienst dauerhaft tragbar ist.

Wie viel Gold oder Krypto ist üblich?

Beides wird meist als kleine Beimischung gehalten, häufig unter 10 % des Vermögens. Wie viel für dich passt, hängt davon ab, wie gut du hohe Schwankungen aushältst und wofür das Geld gedacht ist.

Ist die gesetzliche Rente eine Anlageklasse?

Nein, sie ist ein Anspruch, kein Vermögen, das du verkaufen oder vererben kannst. In der Ruhestandsplanung zählt sie deshalb als Einkommen, nicht als Teil des Nettovermögens.

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Dieser Ratgeber erklärt Zusammenhänge und rechnet Beispiele vor. Er ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung; alle Beispielwerte sind fiktiv, Annahmen sind im Text genannt.