Überblick
Anlageklassen unterscheiden sich vor allem in vier Eigenschaften: wie stark ihr Wert schwankt, wie schnell du an dein Geld kommst, ob sie laufend etwas abwerfen und wie viel Arbeit sie machen. Die Tabelle ist eine grobe Einordnung, kein Urteil.
| Anlageklasse | Schwankung | Verfügbar | Laufende Erträge | Aufwand |
|---|---|---|---|---|
| Cash, Tagesgeld | sehr gering | täglich | Zinsen | gering |
| Anleihen | gering bis mittel | börsentäglich | Zinsen | gering |
| Aktien, ETFs | hoch | börsentäglich | Dividenden | gering bis hoch |
| Vermietete Immobilien | mittel, mit Hebel | Monate | Miete | hoch |
| Altersvorsorge-Verträge | je nach Vertrag | meist ab Rentenbeginn | – | gering |
| Gold | mittel bis hoch | börsentäglich | keine | gering |
| Krypto | sehr hoch | jederzeit | meist keine | mittel |
| Private Märkte | hoch, selten sichtbar | oft jahrelang gebunden | unregelmäßig | mittel |
| Sachwerte (Uhren, Kunst) | schwer messbar | Wochen bis Monate | keine | hoch |
Cash und Tagesgeld
Girokonto, Tagesgeld und Festgeld sind die Grundlage: jederzeit verfügbar oder mit festem Termin, ohne Kursschwankung. Einlagen sind in der EU bis 100.000 € pro Person und Bank gesetzlich abgesichert. Der Preis ist die Inflation: Liegen die Zinsen darunter, verliert Cash real an Wert.
Cash ist deshalb vor allem für den Notgroschen da, oft drei bis sechs Monatsausgaben, bei Selbstständigen mehr, und für Ausgaben, die in den nächsten Jahren anstehen.
Anleihen
Mit einer Anleihe leihst du einem Staat oder Unternehmen Geld gegen Zinsen. Anleihen schwanken meist weniger als Aktien und können ein Depot stabilisieren. Ihr Risiko liegt in den Zinsen selbst: Steigen sie, fallen die Kurse laufender Anleihen, wie 2022 deutlich zu sehen war. Dazu kommt bei Unternehmen das Ausfallrisiko. Für Privatanleger sind breite Anleihen-ETFs oder einzelne Bundeswertpapiere die gängigen Wege.
Aktien und ETFs
Aktien sind Anteile an Unternehmen. Über lange Zeiträume haben sie historisch die höchsten Renditen gebracht, dafür sind Einbrüche von 30 bis 50 % in einzelnen Krisen Teil des Weges. Breit gestreute ETFs verteilen das Risiko auf Hunderte oder Tausende Unternehmen und kosten wenig; Einzelaktien sind konzentrierter und machen mehr Arbeit.
Der Einstieg ist niedrig: Sparpläne gibt es oft ab wenigen Euro im Monat. Gewinne und Dividenden unterliegen der Abgeltungsteuer; bei Aktien-ETFs bleiben durch die Teilfreistellung 30 % der Erträge steuerfrei. Wie man einen breiten Kern mit eigenen Ideen kombiniert, zeigt der Ratgeber zur Core-Satellite-Strategie.
Immobilien
Bei Immobilien gibt es zwei sehr verschiedene Fälle. Das Eigenheim spart Miete und gibt Sicherheit, bringt aber kein Einkommen. Die vermietete Wohnung bringt Miete, ist meist mit einem Kredit finanziert und wirkt dadurch mit Hebel: Wertänderungen treffen das eingesetzte Eigenkapital vielfach. Steuerlich sind Zinsen, Kosten und Abschreibung absetzbar.
Der Preis: Immobilien sind schwer teilbar und brauchen Monate zum Verkauf, sie konzentrieren viel Geld an einem Ort, und sie machen Arbeit. Wer den Aufwand scheut, kann über offene Immobilienfonds oder börsennotierte Immobiliengesellschaften (REITs) investieren, mit eigenen Nachteilen: Bei offenen Fonds gelten für neue Anleger eine Mindesthaltedauer von 24 Monaten und eine Kündigungsfrist von 12 Monaten. Ob eine vermietete Wohnung sich trägt, zeigt der Cashflow nach Kapitaldienst.
Altersvorsorge-Verträge
Betriebsrente, Rürup- und Riester-Verträge sind gebundenes Vermögen: Es gehört dir, du kommst vor Rentenbeginn in der Regel aber nicht heran, und es wird meist als Rente ausgezahlt. Dafür gibt es Förderung: Steuervorteile bei Rürup und Entgeltumwandlung, Zulagen bei Riester, und bei der Entgeltumwandlung einen Zuschuss des Arbeitgebers von 15 %, wenn er Sozialabgaben spart. Mit der Reform der privaten Altersvorsorge kommt ab 2027 ein gefördertes Altersvorsorgedepot hinzu.
Im Nettovermögen zählt das Vertragsguthaben, getrennt vom liquiden Vermögen. Mehr dazu in den FAQ Zählen Rürup, bAV und Riester zum Vermögen?
Gold
Gold bringt keine Zinsen und keine Dividenden; sein Wert hängt allein davon ab, was andere dafür zahlen. Es gilt als Krisenwährung und hat sich in manchen Krisen gegenläufig zu Aktien entwickelt, in anderen nicht. Physisches Gold und Gold-Wertpapiere mit Lieferanspruch sind in Deutschland nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Bei Barren und Münzen kommen Aufschläge beim Kauf und Kosten für die sichere Aufbewahrung dazu.
Krypto
Kryptowährungen wie Bitcoin schwanken extrem; Rückgänge von mehr als 70 % hat es mehrfach gegeben. Ihr Wert beruht auf Angebot, Nachfrage und dem Vertrauen in das jeweilige Netzwerk. Gewinne aus privaten Verkäufen sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, innerhalb eines Jahres gilt eine Freigrenze von 1.000 € im Jahr. Eigene Aufgaben: sichere Verwahrung und die Auswahl seriöser Plattformen.
Private Märkte und Sachwerte
Private Märkte sind Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen (Private Equity), Kredite an solche Unternehmen (Private Debt) oder Infrastruktur. Über Fonds wie ELTIFs sind sie inzwischen auch Privatanlegern zugänglich. Sie binden Geld oft für viele Jahre, sind teurer als ETFs und werden selten bewertet, wodurch sie ruhiger wirken, als sie sind.
Sachwerte wie Uhren, Kunst oder Oldtimer machen Freude und können im Wert steigen. Ihr Wert ist schwer zu messen, der Verkauf dauert, und Versicherung und Pflege kosten Geld. Für ein ehrliches Nettovermögen werden sie vorsichtig bewertet.
Ab welchem Vermögen: eine verbreitete Reihenfolge
Eine feste Regel, ab welcher Summe welche Anlageklasse „dran“ ist, gibt es nicht. Verbreitet ist in der Finanzbildung aber eine Reihenfolge, die sich aus Zinsen, Risiko und Verfügbarkeit ergibt:
- Teure Schulden zuerst. Ein Dispo oder Konsumkredit kostet meist mehr Zinsen, als eine Anlage verlässlich bringt.
- Ein Notgroschen. Drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld, damit ein kaputtes Auto nicht zum Verkauf von Aktien zwingt.
- Breite Aktien-ETFs. Ab dem ersten Euro möglich; in dieser Reihenfolge der Kern des langfristigen Vermögensaufbaus.
- Förderungen. Etwa der Arbeitgeberzuschuss bei der Betriebsrente.
- Eine Immobilie. Wenn Eigenkapital, Einkommen und Lebensplanung es tragen: Eigenheim, Kapitalanlage oder beides. Welche Annahmen dabei entscheiden, zeigt Eigenheim, Kapitalanlage oder ETF?
- Beimischungen. Gold, Krypto oder private Märkte als kleine Anteile, wenn die Basis steht.
Wie hoch der Einstieg je Anlageklasse typischerweise liegt:
| Anlage | Typischer Einstieg |
|---|---|
| Tagesgeld | ab 1 € |
| ETF-Sparplan (Aktien, Anleihen) | oft ab 1 bis 25 € im Monat |
| Gold | ab einem Gramm oder als börsengehandeltes Produkt |
| Krypto | ab wenigen Euro |
| Offene Immobilienfonds, REITs | ab einem Anteil |
| Vermietete Wohnung | Eigenkapital meist mindestens in Höhe der Kaufnebenkosten, also rund 10 % des Preises, plus Reserve |
| Private-Markets-Fonds (z. B. ELTIF) | je nach Produkt, über manche Broker schon mit kleinen Beträgen |
Das Ganze im Blick
Am Anfang ist die Frage, womit man anfängt. Mit wachsendem Vermögen verschiebt sie sich: Wichtiger als die Rendite einer einzelnen Klasse wird ihr Anteil am Ganzen. Wer eine vermietete Wohnung mit 150.000 € Eigenkapital und ein Depot von 100.000 € hat, besitzt zu rund 60 % Immobilien, in einer einzigen Stadt. Wer bald aufhören will zu arbeiten, braucht genug liquides Vermögen, um Entnahmen zu bestreiten, auch wenn auf dem Papier viel in Immobilien und Altersvorsorge steckt.
Wie sich das eigene Vermögen zusammensetzt, zeigt erst eine vollständige Rechnung: alle Anlageklassen, mit ihren Krediten. Schritt für Schritt geht das im Ratgeber Nettovermögen berechnen.
Quellen
- 01§ 8 EinSiG: Einlagensicherung bis 100.000 €
- 02§ 23 EStG: private Veräußerungsgeschäfte (Gold, Krypto)
- 03§ 1a BetrAVG: Arbeitgeberzuschuss bei Entgeltumwandlung
- 04§ 20 InvStG: Teilfreistellung
Regeln und Zahlen mit Stand